Haltung

In der Mediation gehen wir davon aus, dass Menschen die Macht haben, sehr viel in ihrem eigenen Leben zu gestalten und die Welt zu verändern, wenn sie bereit sind, für ihre Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche und Ziele sowie die daraus resultierenden Konsequenzen Verantwortung zu übernehmen und mit ihren Mitmenschen in bedürfnisorientierte Verhandlung zu treten.

Leider haben die meisten von uns das nicht gelernt, stattdessen neigen wir dazu, Schuldige zu suchen, Konkurrent_innen auszuspielen, uns als Gegner_innen und Feind_innen wahrzunehmen und nach Strafen zu suchen für all die, die nach unseren Kriterien etwas falsch machen. Wir sind überzeugt davon, dass die meisten Menschen sich Kooperation, Solidarität, Respekt und Wertschätzung wünschen.

Die mediative Haltung schlägt vor, zwischen dem Menschen, der prinzipiell okay ist, und einer Handlung, mit der man nicht einverstanden ist, zu unterscheiden. Damit geben wir uns gegenseitig die Möglichkeit miteinander zu wachsen.

Jede Handlung ist gelungene oder misslungene Strategie zur Erfüllung eines berechtigten Bedürfnisses; wenn wir uns mit den Gefühlen und Bedürnissen unserer Mitmenschen verbinden, können wir ihre Handlungen verstehen, ohne damit einverstanden zu sein. Wir hören auf, sie zu verurteilen, weil wir ihr berechtigtes Bedürfnis sehen und können gemeinsam dazu beitragen, eine hilfreichere Strategie zu finden.

In der Mediation geht es darum, jeder Sichtweise ihren Raum zugeben, Verständnis füreinander zu entwickeln und die tieferen Ebenen des Konfliktes zu ergründen. Wenn klar wird, worum es beiden Konfliktparteien geht, können sie zusammen eine Lösung entwickeln, in der  die Bedürfnisse und Wünsche aller  vorkommen. Das schließt eine  Trennung als gleichwertige Option mit ein.

Die Basis für diese Lösung ist Konsens und Freiwilligkeit. Niemand kann zu etwas gezwungen werden. Alle können jederzeit „Nein“ sagen. Die Lösung ist erst fertig wenn alle zustimmen können. Der_die Mediator_in ist nur Geburtshefer_in, die Lösung wird von den Konfliktparteien selbst gemeinsam erarbeitet.
Menschen sind von Grund auf zutiefst kooperative Wesen. Im Konkurrenzkampf gerät das leicht in Vergessenheit. Mediation stärkt diese Seite.

Mediation und Herrschaft
Uns ist es wichtig, dass die Mediation nicht als Instrument der Befriedung sozialer Konflikte benutzt wird. Sie soll ein Mittel der Stärkung derjenigen sein, die eine gesellschaftlich schwache Stellung haben. Daher kommen für uns Schlichtungen innerhalb institutioneller Machtgefälle nur dann infrage, wenn sie eine Stärkung der strukturell Benachteiligten im Vergleich zu anderen Möglichkeiten bedeutet. Das ist zum Beispiel durch die Methode Täter_innen-Opfer-Ausgleich (TOA) der Fall.

Gleichzeitig halten wir es für einen ganz wesentlichen Aspekt einer emanzipatorischen gesellschaftlichen Transformation, wenn Menschen die Erfahrung machen, dass Konflikte gewaltfrei und fernab von Strafe und Rache bedürfnisorientiert ausgetragen werden können.

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